Drogas e Cultura: Novas Perspectivas [Drogen und Kultur: Neue Perspektiven]

Herausgeber: Beatriz Caiuby Labate, Sandra Goulart, Maurício Fiore, Edward MacRae e Henrique Carneiro – Forscher des NEIP (Interdisziplinäre Forschungsgruppe Psychoaktiva, www.neip.info).

Verlag: EDUFBA

Unterstützung: Ministério da Cultura (MinC), Brasília, und Fundação de Amparo à Pesquisa de São Paulo (FAPESP)

Taschenbuch; 440 Seiten.

Größe:  17 x 24 cm, illustriert – 440 S.

ISBN: 978-85-232-0504-1

Preis: R$ 40,00 (Brasilianische Reais)

Rezension:

Die Behandlung des Themas „Drogen“ führt oft zu Exzessen, wobei nun nicht der dionysische Aspekt gemeint ist, ebensowenig der „Missbrauch“ oder die Überdosis: sondern das Überquellen von Gemeinplätzen, Vorurteilen, Moralismen und fixen Ideen. Wenige Themen sind heute noch von derart vielen Tabus und Verboten belegt wie dasjenige der psychoaktiven Drogen, jedenfalls dann, wenn sie gesetzlich verboten oder von der Moral, Psychologie, Medizin verurteilt sind. Gleichzeitig gibt es ein enormes Angebot legaler Drogen, die von den großen pharmazeutischen Industrien erzeugt werden, und illegale Drogen, um die herum sich ein internationaler Kampf entwickelt, der Staaten und global agierende Händlernetze mobilisiert. Beim Gebrauch der Drogen gibt es ebenso traditionelle Formen wie neue Praktiken im Umgang mit seit langem bekannten Substanzen. Dabei behandelt die Literatur zur „Drogenfrage“ üblicherweise ein begrenztes Feld, das abgesteckt wird von (mehr oder weniger konservativen) medizinischen Werken über Publikationen zu juristischen Belangen bis hin zu (mehr oder weniger sensationslüsternen) Reportagen.

Im Feld der Sozial- und Kulturwissenschaften gab es bis vor kurzem nur wenige mutige Forschungsinitiativen zu „Drogen“, ansonsten expressives Schweigen.

Der Sammelband „Drogen und Kultur: neue Perspektiven“ ist das Resultat  eines 2005 vom Núcleo de Estudos Interdisciplinares sobre Psicoativos (NEIP, www.neip.info) an der Universität von São Paulo (USP) veranstalteten Symposions. Er stellt eine wichtige Anstrengung von Forschern aus der Anthropologie, Soziologie, Politikwissenschaft, dem Recht und der Geschichtswissenschaft dar, das Thema „Drogen“ von verschiedenen Seiten zu beleuchten, wobei der gemeinsame Nenner die Kritik an Verboten dieser Substanzen ist. Der Band beinhaltet nebst Vorwort und Einleitung 17 Beiträge und ist in drei Teile gegliedert. Zuerst behandeln vier Beiträge den Bereich „Die Geschichte des Drogenkonsums und seiner Verbote im Okzident“ mit Reflexionen zur Geschichte und Logik des gegenwärtigen Verbotssystems. Darauf folgen drei Beiträge im Bereich „Der Gebrauch von Drogen als kulturelles Phänomen“. Sie untersuchen das Problem der Interdisziplinarität in der Analyse psychoaktiver Substanzen. Anschließend kommt der größte Bereich des Sammelbandes: „Der Gebrauch von Drogen: Perspektiven kultureller Verschiedenheit“. Er umfaßt verschiedene Herangehensweisen an das Thema, ausgehend von disziplinären Sichtweisen der Anthropologie, Ethnologie und Geschichtswissenschaft. Der Band bietet ein breites Spektrum von Ansätzen, die Felder der Begegnung und des Dialogs eröffnen, aber auch Spannungsfelder, was verdeutlicht, dass bei solch einem Thema kein einfacher Konsens erzielt werden kann. Es handelt sich um ein Referenzwerk für alle, die sich nicht mit dem zufriedengeben, was üblicherweise über „Drogen“ geschrieben wird, und die neue Blickwinkel, Wendungen und Wahrnehmungsweisen suchen (Thiago Rodrigues, übersetzt von Christian Strube).

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