Der Film “The Wine of the Souls” dokumentiert die Reise von sechs Pilgern nach Céu do Juruá, dem neuen Hauptsitz der Santo-Daime-Religion im brasilianischen Amazonas. In den Ritualen des Santo Daime wird das psychoaktive Getränk Ayahuasca als Sakrament verwendet, da es laut “Doktrin” der Religion die Kraft besitzt, den Menschen in direkte Verbindung mit Gott und den heilenden Kräften der Natur zu bringen.
Die in dem Film begleiteten Pilger könnten unterschiedlicher nicht sein: ein Therapeut, ein “Mayapriester”, eine Physikerin, ein israelischer Offizier, eine Managerin und eine Lehrerin in Rente. Sie alle eint die Suche nach körperlicher und seelischer Heilung, Selbsterkenntnis und spirituellen Erlebnissen. In Juruá teilen sie für einige Zeit das Leben der Dorfgemeinschaft. Sie erlernen die Herstellung von Ayahuasca und nehmen an Heilungsritualen mit Froschgift (“Kambo”) sowie zahlreichen Ayahuasca-Ritualen teil, die im Santo Daime “Arbeiten” genannt werden.
Außer den Pilgern lässt der Film auch Padrinho Alfredo, den derzeitigen Leiter der Religion, einen Fischer aus dem Dorf und andere Dorfbewohner zu Wort kommen und zeichnet damit ein vielfältiges Bild der Gemeinschaft.
Am Ende des Films werden Ausschnitte aus Ritualen der Santo-Daime-Gemeinde in Amsterdam gezeigt, womit der Bogen in die “westliche Welt” geschlagen wird, in die die sechs Pilger nach ihrer Reise mit unterschiedlichen, neugewonnenen Perspektiven zurückkehren.
Ich finde Michael Endes Film sehr gelungen, vor allem was die Naturaufnahmen aus dem Amazonas und die authentische Dokumentation des Dorflebens und der Rituale anbelangt. Die abwechselnde Struktur aus Berichten der Pilger und den nicht gestellten Aufnahmen aus dem Alltag der Communidade hält den Film spannend und lebendig. Auch die dramaturgische Abfolge ist im Großen und Ganzen in sich stimmig. Allerdings hätte ich gern etwas mehr über die Pilger erfahren: ihre Vergangenheit, ihre Weltanschauung bzw. ihr Glauben werden meiner Meinung nach etwas zu oberflächlich beleuchtet. So bleiben die Pilger dem Zuschauer etwas fremd und “exotisch”. Am Ende, wo der Film nach Amsterdam springt ist außerdem nicht ganz zu verstehen, warum der junge israelische Offizier plötzlich dort in der Kirche auftaucht.
Trotz dieser Kritikpunkte ist der Film meiner Meinung nach sehr sehenswert, vor allem weil er mit Hilfe seines nicht-wertenden Stils die Akteure ernst nimmt und es dem Zuschauer überlässt, sich eine Meinung zu bilden.
Magdalena Jany ist Praktikantin am Institut für Medizinischen Psychologie Heidelberg.
